Interview: Gülay Yıldırım Kavak
Heute begrüßen wir für onbusinessinsight.com Dilek Çakır, die ihre Karriere auf einem vielseitigen Weg gestaltete – von der Krankenpflege hin zu einer globalen Gesundheitsmarke und von dort aus weiter in die Welt der Gastronomie.
Wir werden von ihr persönlich die pionierhaften Schritte im Gesundheitssektor hören, die Geburt von ASMED (das sich in der Haartransplantation zu einer weltweiten Schule entwickelt hat), die Geschichte des Restaurants L’Olivetto (das mitten in der Pandemie ins Leben gerufen wurde) sowie ihre inspirierenden Botschaften an Frauen, die in der Geschäftswelt Spuren hinterlassen möchten.
Frau Dilek, Sie haben eine bedeutende Reise in Ihrer Karriere hinter sich, die vom Gesundheitssektor bis hin zum Unternehmertum reicht. Können Sie uns diese Reise erzählen?
Eigentlich dreht sich in meinem Leben alles darum, Menschen zu berühren und sie glücklich zu machen. Das war schon immer so. Selbst als ich noch klein war, hatte es für mich Priorität, Menschen zu helfen, ihre Wunden zu heilen und vor allem sie glücklich zu machen. Dass ich nach meiner Grund- und Sekundarschulbildung meine berufliche Ausbildung im Bereich der Krankenpflege absolvierte, fühlte sich für mich deshalb immer sehr natürlich an – wie etwas, das einfach so sein musste.
Doch neben natürlichen Neigungen spielen auch Zufälle eine sehr wichtige Rolle im Leben eines Menschen. Ende der 1990er-Jahre, direkt nach meinem Abschluss, kam ich nach Istanbul, um zu arbeiten. Unter all den Krankenhäusern und Kliniken war der erste Ort, auf den ich stieß, eine Klinik für Haartransplantation. Zu dieser Zeit war die Haartransplantation noch kaum bekannt, sie steckte gerade erst in den Kinderschuhen. Es war ein Bereich mit ungewisser Zukunft, den weder Ärzte noch Pflegekräfte besonders gerne als einen Arbeitsplatz wählten. Obwohl ich eine sehr junge Krankenschwester mit wenig Berufserfahrung war, wollte ich diesen Bereich ausprobieren und lernen, wie die Arbeit gemacht wird und so fing ich dort an.
Das, was ich heute als „Jugendmut“ bezeichnen würde, wurde zu einem der größten „Gott sei Dank…“-Momente meines Lebens vielleicht sogar zum allergrößten. Natürlich fällt nichts leicht. Um den Beruf zu erlernen und Meisterschaft zu erlangen, habe ich Tag und Nacht gearbeitet. Meine wichtigste Motivation war, dass ich meine Arbeit sehr liebte, mit wirklich großer Freude arbeitete und die Glückseligkeit der Patienten sah, die eine Haartransplantation hatten durchführen lassen und mit den Ergebnissen zufrieden waren.
Dr. Koray Erdoğan, den ich in dieser Zeit kennenlernte, und ich beschlossen, dieses Geschäft gemeinsam in unserer eigenen Klinik zu betreiben. 2001 gründeten wir ASMED. Unsere Reise, die in einer kleinen Praxis im Stadtteil Suadiye begann, hat heute eine Klinik in Ataşehir erreicht – in einem 10.000 Quadratmeter großen Gebäude mit 10 Operationssälen und über 100 Mitarbeitern.
ASMED war natürlich eine Unternehmung, die mit meinem Beruf zusammenhängte. Daher entwickelte sich dieser Prozess für mich weniger wie ein klassisches Start-up, sondern eher als ein schrittweises Voranschreiten und Aufsteigen im natürlichen Fluss. Das eigentliche Unternehmertum erwachte, so kann man sagen, eher mit L’Olivetto Akdenizli zum Leben. Direkt nach der Pandemie ein Restaurant zu eröffnen, erforderte – ehrlich gesagt – ziemlich viel Mut. Aber heute ist es ein äußerst erfolgreiches Projekt, auf das ich sehr stolz bin. Von der Dekoration über die Speisekarte bis hin zum Personal kümmere ich mich persönlich um jedes Detail. Bei L’Olivetto mitten unter den Menschen zu sein und unsere Patienten sowie Gäste zu bewirten, verschafft mir eine ganz neue Erfahrung. Auch wenn es auf einem völlig anderen Gebiet ist: Den Menschen weiterhin Freude zu bereiten, tut mir gut.
Welche Rolle haben Sie bei ASMED übernommen, das sich zu einer bedeutenden Marke im Gesundheitssektor entwickelt hat?

Wie gesagt, haben wir ASMED im Jahr 2001 gegründet. Zu Beginn waren wir eine kleine Klinik. Damals dominierte weltweit eine Technik namens FUT. Dabei wurde vom Hinterkopf chirurgisch ein Hautstreifen entnommen und die Haarwurzeln daraus gewonnen. Nach der Operation blieb jedoch natürlich eine Narbe zurück. Das stellte ein ästhetisches Problem dar, wenn man sein Haar gerne kurz trug. Zu dieser Zeit kam FUE auf – also die Technik, bei der die Haare ohne chirurgischen Eingriff einzeln aus dem Nackenbereich entnommen und verpflanzt werden. Wir waren schon immer eine Klinik, die großen Wert auf Weiterentwicklung und Ausbildung legte, und haben diese neue Technik übernommen. Unser Unterschied bestand jedoch darin, dass wir dabei die manuelle FUE-Methode anwendeten.
Das Besondere an der manuellen FUE-Methode ist, dass die Wurzeln mithilfe eines Punchs einzeln von Hand entnommen werden. Diese Technik eliminiert das Risiko einer unkontrollierten Haarentnahme, wie sie bei Haartransplantationen mit motorisierten Punchs auftreten kann, der Spenderbereich wird perfekt geschützt und die Ergebnisse der Haartransplantation wirken äußerst natürlich. Auch heute arbeiten wir mit derselben Technik.
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Als wir anfingen, war die Branche selbst natürlich noch sehr neu. Daher haben wir uns sowohl der Entwicklung der für die Haartransplantation erforderlichen Werkzeuge und Geräte als auch der Ausbildung derjenigen gewidmet, die in diesem Bereich arbeiten wollten.
Die von meinem Partner Dr. Koray Erdoğan entwickelte Coverage Value-Berechnung und das als „Sequential Technique“ (Sequenzielle Technik) bekannte FUE-System; die Anwendung namens „Graft Calculator“, die genutzt wird, um den Coverage Value während der Operationen funktionell anzuwenden; das entwickelte K.E.E.P. zur beschädigungsfreien Einsetzung der Haarmodelle/Haarwurzeln; das KE-Rest für maximalen Komfort des Patienten während der Operation; das KE-Head, das für die Ausbildung chirurgischer Teams entwickelt wurde; das Fotografiersystem KE-Photo und vor allem das fortschrittliche robotische Analysesystem KE-Bot, das eine 360-Grad-Rundumabtastung durchführen kann – all das hat sehr große Beiträge zur Haartransplantation geleistet und tut es noch immer.
Heute steht der Name ASMED weltweit an der Spitze der manuellen FUE-Haartransplantation. Denn ASMED ist der einzige Ort, der die handwerkliche Präzision – den kritischsten Punkt der Haartransplantation – mit den fortschrittlichsten, selbst entwickelten Technologiegeräten verbindet. Hier führen wir nicht nur die allen bekannte Haartransplantation durch, sondern mit großem Erfolg auch Langhaartransplantationen, Bart-, Schnurrbart- und Augenbrauentransplantationen sowie Haartransplantationen bei Frauen.
Die Türkei ist eines der weltweit wichtigsten Zentren für Haartransplantation und Gesundheitstourismus. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Elemente, die die Türkei für internationale Patienten attraktiv machen?
Heute bildet der Haartransplantation Tourismus in der Türkei das Rückgrat des Gesundheitstourismus. Selbst in Zeiten, in denen die Zahl der Touristen im Rahmen des Gesundheitstourismus aus verschiedenen Gründen zurückgeht, zeigt sich, dass die Haartransplantation davon überhaupt nicht betroffen ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Kulturelle Veranlagung: Ähnlich wie beim Teppichknüpfen oder der Goldschmiedekunst besitzen wir eine kulturelle Neigung zu Arbeiten, die Konzentration und handwerkliches Geschick erfordern.
- Investitionen und Förderungen: Die in letzter Zeit in unserem Land getätigten Investitionen und gewährten Anreize unterstützen den Gesundheitstourismus maßgeblich.
- Hohe Erfahrung und Praxis: Durch den Anstieg der Patientenzahlen kommen die Mitarbeiter im Bereich der Haartransplantation mit sehr vielen Fällen in Kontakt, was ihre Erfahrung und ihre handwerklichen Fähigkeiten steigert.
- Attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis: Durch die Effekte von Beschäftigung und Wettbewerb bieten wir – insbesondere im Vergleich zu europäischen Ländern – ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.
All dies, kombiniert mit erfolgreichen Ergebnissen, macht die Türkei für internationale Patienten äußerst attraktiv.
Wie wird bei der Klinikwahl eines Patienten aus dem Ausland Vertrauen aufgebaut? Verändern sich die Erwartungen internationaler Patienten?
Die große Mehrheit der aus dem Ausland anreisenden Patienten möchte diese Operation tatsächlich in einem Zentrum durchführen lassen, dem sie vertrauen kann. Als ASMED wickeln wir alle Patientenkontakte mit unserem eigenen Team ab. Wir arbeiten mit keinerlei Vermittlungsagenturen zusammen.
Kaufinteressierte Patienten nehmen den ersten Kontakt über die Formulare auf unserer Website mit uns auf. Anschließend kontaktieren unsere Patientenkoordinatoren sie direkt. Bei ASMED haben wir Patientenkoordinatoren, die 10 verschiedene Fremdsprachen auf Muttersprachenniveau sprechen. Der Erstkontakt wird über sie hergestellt. Zunächst informieren wir unsere Patienten über alle Details – angefangen vom Operationsablauf bis hin zu Reise und Unterkunft. Danach fordern wir präoperative Untersuchungen sowie Fotos ihrer Haare aus verschiedenen Blickwinkeln an und nehmen eine Vorbewertung vor.
Wenn unsere Patienten zur Operation anreisen, findet die eigentliche Konsultation statt, und wir führen die für die Operation erforderlichen Tests sowie EKG-Aufnahmen durch. Unser Anästhesist untersucht vor der Operation den allgemeinen Gesundheitszustand unserer Patienten. Der Prozess verläuft von Anfang an äußerst transparent und so gestaltet, dass alle Fragen und Anliegen unserer Patienten beantwortet werden.
Unsere Patientenkoordinatoren stehen den Patienten während des gesamten Prozesses zur Seite. Auch nach der Operation verfolgen wir die Wachstumsphasen der Haare ein Jahr lang über unsere Patientenkoordinatoren weiter.
Patienten können bereits vor ihrer Anreise durch eigene Recherchen bestätigen, dass ASMED auf diese Weise arbeitet. Das schenkt ihnen Vertrauen. Allerdings können internationale Patienten manchmal auch die Erwartung niedriger Preise haben, was ihre Klinikwahl ebenfalls beeinflusst.
Aus welchen Ländern kommen Ihre Patienten am häufigsten?

95 Prozent unserer ausländischen Patienten kommen aus den USA und aus europäischen Ländern – allen voran Großbritannien und Deutschland. ASMED ist eine Institution, die seit über 25 Jahren markttragend ist. Wie ich bereits erklärt habe, arbeiten wir nicht mit Vermittlungsagenturen, wir treten über unsere eigenen Patientenkoordinatoren direkt mit unseren Patienten in Kontakt. Alle Konsultationen werden von Dr. Koray Erdoğan persönlich durchgeführt, und auch die Haarlinie wird von ihm selbst gestaltet.
Mit unserem in den USA patentierten Haaranalyse-Robotersystem KE-Bot wird der Operationsplan makellos erstellt und ein perfektes Spenderzonen-Management angewendet. Unsere Operationen werden im Operationssaal von hocherfahrenen und professionellen chirurgischen Teams unter der Leitung von Dr. Koray Erdoğan durchgeführt. Die Lokalanästhesie wird von unserem Anästhesisten angewendet. Zudem überwacht unser Anästhesist während der gesamten Operationsdauer die Vitalparameter unserer Patienten.
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Die Nachkontrolle wird von Dr. Koray Erdoğan vorgenommen. Auch die erste Haarwäsche unserer Patienten wird auf jeden Fall in unserer Klinik von unserem Personal durchgeführt. Bei dieser Wäsche wird erklärt und gezeigt, was in den ersten 10 Tagen zu tun ist. Nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer verfolgen wir den gesamten Prozess weiterhin über unsere Patientenkoordinatoren.
Nach dem Gesundheitssektor haben Sie im Bereich Gastronomie das L’Olivetto Restaurant ins Leben gerufen. Wie entstand diese Investitionsidee?
Es war überraschend, aber das war eine Idee, die uns während der Pandemie kam. Sie erinnern sich sicher: Es war eine Zeit, in der jeder in seine eigenen vier Wände zurückzog und das soziale Leben verschwand. Dieses Sich-In-Sich-Gekehrt-Sein und niemanden treffen zu können, hat uns tief getroffen. Wir essen ohnehin gerne gut. Da sagten wir uns: Wie wäre es, wenn wir unseren Liebsten und unseren Patienten köstliche Speisen anbieten und uns so mit ihnen sozialisieren?
Als die Idee geboren war, wurden wir direkt nach der Pandemie aktiv. L’Olivetto ist wirklich ein Ort geworden, der einen Platz im Herzen der Menschen erobert hat – ein Ort, an dem sie sich in einer stilvollen und schönen Atmosphäre wohlfühlen und mit mediterranen Köstlichkeiten zusammenkommen. Bei L’Olivetto, wo ich mich persönlich um jedes Detail kümmere – von der Dekoration über die Speisekarte bis hin zum Personal –, verschafft mir das Miteinander mit den Menschen und das Bewirten unserer Patienten und Gäste eine völlig neue Erfahrung.
Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es aus Ihrer Sicht zwischen der Leitung einer Klinik und dem Betrieb eines Restaurants?
Wenn man es im Kern betrachtet, steht bei beiden Aufgaben der Mensch im Vordergrund. Als jemand, der es schon immer geliebt hat, Menschen glücklich zu machen, sind sowohl ASMED als auch L’Olivetto für mich Unternehmen, die auf unterschiedliche Weise den Weg ebnen, das Leben meines Umfelds zu verschönern.
Operativ gesehen sind sie natürlich sehr unterschiedlich. Und natürlich bin ich aufgrund meines Berufs bei ASMED in jeder Phase der Arbeit involviert. Bei L’Olivetto hingegen ist die Arbeit in den Händen von Experten. Dort habe ich eher eine entscheidende, richtungsweisende Rolle.
Was für eine Marken- und Kundenerfahrung wollen Sie im L’Olivetto schaffen?
L’Olivetto ist erst 5 Jahre alt, hat es aber geschafft, eines der ersten Restaurants zu werden, die einem in den Sinn kommen, wenn von „mediterranen Köstlichkeiten“ die Rede ist. Besonders auf der anatolischen Seite Istanbuls ist es sehr beliebt. Da wir uns in Ataşehir befinden, sind wir mittags für geschäftliche Besprechungen sehr gefragt. Abends werden wir bevorzugt für große Treffen unter Freunden, Feiern oder romantisches Abendessen zu zweit gewählt. An bestimmten Abenden der Woche gibt es auch Live-Musik-Performances. L’Olivetto ist zu einem Ort geworden, an dem sich jeder wohl und glücklich fühlt.
Was möchten Sie als Frau, die in zwei verschiedenen Branchen als Unternehmerin tätig ist, jungen Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Ich rate ihnen, in einem Bereich zu arbeiten, den sie wirklich lieben, an dem sie großen Spaß haben und in den sie ihren Verstand und ihr Herz stecken können. Denn nichts fällt leicht. Um ein Geschäft zu erlernen, darin meisterhaft zu werden und erfolgreich zu sein, braucht es viel Mühe und Zeit. Wir alle können eine so intensive Mühe und Zeit nur in eine Arbeit investieren, die wir lieben.
Genauso wichtig wie all das – vielleicht sogar noch wichtiger – ist es jedoch, Mut zu haben. Denn am Ende des Tages ist Mut immer der grundlegende Faktor, der Erfolg bringt. Mut macht das Leben schöner.
Was sind Ihre neuen Investitions- oder Wachstumspläne für die kommende Zeit?
Wir stehen tatsächlich kurz vor einer neuen Investition. Wir werden eine Version von L’Olivetto in Ataşehir Finanskent eröffnen. Unsere Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen. Wir warten voller Vorfreude auf den Tag, an dem es an den Start geht.
Gibt es zum Abschluss einen Namen, der Sie mit seiner Geschichte, seiner Haltung und seinen Erfolgen inspiriert? Wenn wir Sie bitten würden, jemanden zu nennen, von dem Sie sagen: „Machen Sie das nächste Interview unbedingt mit ihr/ihm“, wen würden Sie empfehlen?
Definitiv Frau Semahat Arsel, sehr geschätztes Vorstandsmitglied der Koç Holding. Denn sie ist die Person, die die Koç-Universität Höhere Schule für Krankenpflege gegründet und das Semahat Arsel Zentrum für Ausbildung und Forschung in der Krankenpflege (SANERC) ins Leben gerufen hat. Außerdem ist sie die zweite Vorsitzende der Florence Nightingale Stiftung. Dass sie meinem über alles geliebten Beruf so viel Respekt entgegenbringt und ihn so großartig unterstützt, ist für mich von unschätzbarem Wert. Als jemand, der die Ehre hatte, sie persönlich kennenzulernen, würde ich mir sehr wünschen, dass jeder ihre Ansichten und Arbeiten zu diesem Thema erfährt.



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