In der Türkei wurde die zentrale Weichenstellung für die Lohnentwicklung im Jahr 2026 getroffen. Nach der dritten Sitzungsrunde der Mindestlohnkommission im Arbeitsministerium steht fest: Der monatliche Nettomindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 28.075 ( 554,62 €) Türkische Lira (TRY). Dies entspricht einer Erhöhung von rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

  • Netto-Mindestlohn: 28.075 TRY (ca. 655 EUR*)
  • Brutto-Mindestlohn: ca. 33.027 TRY
  • Steigerungsrate: 27 % im Vergleich zu 2025 (22.104 TRY)
  • Gültigkeit: Ab dem 1. Januar 2026

Arbeitnehmergewerkschaft TÜRK-İŞ boykottiert die Sitzung

Ein markantes Detail der diesjährigen Verhandlungen war das Fernbleiben der größten Arbeitnehmergewerkschaft TÜRK-İŞ. Die Gewerkschaft kritisierte die Zusammensetzung der Kommission und forderte eine stärkere Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten. Da die Forderungen nach einer Strukturreform der Kommission nicht erfüllt wurden, nahmen die Arbeitnehmervertreter weder an den ersten beiden Runden noch an der finalen Abstimmung teil. Die Entscheidung wurde somit im Konsens zwischen Regierungs- und Arbeitgebervertretern getroffen.

Wirtschaftlicher Kontext und Inflation

Die Erhöhung um 27 Prozent liegt deutlich über der für 2026 angestrebten Inflationsrate von 16 Prozent laut dem Mittelfristigen Wirtschaftsprogramm (OVP) der Regierung. Analysten wiesen darauf hin, dass die Anhebung zwar die Kaufkraft der Geringverdiener stützen soll, gleichzeitig aber den Druck auf die Produktionskosten, insbesondere in exportorientierten Branchen wie der Textil- und Automobilindustrie, erhöhen könnte.

Schon gelesen?

*Wechselkurs zum Stand 23.12.2025 (1 EUR ≈ 50,65 TRY)